SP1 für Server 2008 R2 und Windows 7 ist RTM

Das Servicepack 1 für Server 2008 R2 und Windows 7 ist seit dem 09.02.2011 RTM (Release to Manufacture).

Für TechNet-Abonnenten und Volume Licensing-Kunden wird es ab dem 16.02. verfügbar sein, am 22.02. findet es sich dann auch in Windows Update und dem Microsoft Download Center.

Das Service Pack bringt eine Zusammenfassung der Updates seit dem Release der Betriebssysteme, neue Features bekommt nur der Server spendiert: RemoteFX und DynamicMemory.

DynamicMemory für Hyper-V ist Microsofts Antwort auf die VMware ESX und Citrix XenServer Lösungen einen Memory Overcommit zu ermöglichen, also den VMs insgesamt mehr virtuellen RAM zur Verfügung zu stellen als physikalisch vorhanden ist.

Dabei wird der Arbeitsspeicher dynamisch verteilt statt in Pagefiles zu schreiben. Die VM teilt dem Hypervisor mit, wie viel RAM sie effektiv belegt und bekommt diesen zugeteilt. Dadurch stehen Speicherbereiche, die sonst reserviert wären, zur Verfügung und können von weiteren VMs genutzt werden. Wird mehr RAM benötigt als physisch vorhanden ist, nutzt der Hypervisor wie zuvor Pagefiles.

Dank dieser Technik lässt sich die Auslastung des physischen Speichers verbessern und es können mehr Systeme bereitgestellt werden, so lange die Auslastung innerhalb der virtuellen Maschinen sich unterhalb des maximal zugeteilten Wertes bewegt.

RemoteFX ist eine Erweiterung des RDP-Protokolls von Microsoft. Diese ermöglicht es, anspruchsvolle grafische Inhalte wie Flash, Silverlight oder 3D-Anwendungen von der GPU beschleunigen zu lassen.

Ist im Client eine entsprechende Grafikkarte verbaut, werden die Inhalte auf dem Clientsystem berechnet. Werden hingegen ThinClients oder ähnliche Systeme ohne entsprechende Hardware genutzt, kann der Server diese Aufgabe übernehmen. Voraussetzung ist natürlich, dass er eine entsprechend leistungsfähige Grafikkarte verbaut hat.

Die Serverhersteller arbeiten bereits an entsprechenden Systemen mit der nötigen Hardwarebasis, da die aktuell verwendeten Grafikkarten selten zu den leistungsfähigen am Markt zählen. Die Nutzbarkeit beschränkt sich aufgrund gestiegener Bandbreitenanforderungen hingegen auf das lokale Netzwerk (LAN). Für Verbindungen über das WAN empfehlen sich wie bisher die Mehrwertlösungen von Citrix (XenApp, XenDesktop), die das hochoptimierte HDX-Protokoll verwenden.

Durch diese beiden Features werden alleine mit Windows Bordmitteln aber neue Möglichkeiten der Bereitstellung von VDI Umgebungen gegeben. So lassen sich mehr Clientsysteme auf weniger physischen Hosts bereitstellen und nutzen als dies bisher möglich war.

Chrome Instant – Fluch oder Segen?

Vor Kurzem erschien die neuste Version von Googles Hausbrowser „Chrome“. In diesem wurde ein neues Feature implementiert, das sich „Chrome Instant“ nennt. Womöglich kennen Sie „Google Instant“, eine Funktion, die Ihnen bereits die Suchergebnisse beim Tippen anzeigt. „Chrome Instant“ überträgt diese Technik in die Adressleiste des Browsers: Noch während Sie tippen, wird die vermutete Zielseite geladen – ohne, dass Sie etwas dafür tun müssen.

So komfortabel diese Funktion auch ist, sie hat diverse Nachteile: Wird eine Webseite geladen, noch während der Anwender tippt, ist nicht vollständig sichergestellt, dass der Anwender auch diese Seite tatsächlich besuchen möchte. So wird bei der Eingabe von „stern“ vermutlich die Webseite „stern.de“ geladen, erst im weiteren Verlauf fügt der Anwender ein „-tv.de“ hinzu, um die Adresse zu komplettieren: „stern-tv.de“. Durch den unnötigen Aufruf von stern.de wurde selbstverständlich Bandbreite in Anspruch genommen, die womöglich anderen Verbindungen zur Verfügung hätte stehen können. Je größer das Unternehmen, desto kritischer wird das ständige Vorausladen „auf gut Glück“.

Auch Administratoren von Webservern werden die Hände über dem Kopf zusammenschlagen: Ihre Zugriffs-Logs werden in Zukunft häufiger von 404-Fehlern übersät sein, da die gewünschte Adresse vom Anwender noch nicht komplett eingegeben wurde und so ein Zugriffsfehler provoziert wurde. Auch hier gilt: Jeder Aufruf einer Webseite, sei es mit echten Inhalten oder einer Fehlerseite, beansprucht Bandbreite des Webservers, was bei hochfrequentierten Seiten zu Performance-Problemen führen kann.

Die Marketing-Abteilung wird das neue Feature des Browsers besonders kritisch beäugen: Das gut ausgeklügelte System zur Optimierung der Webseite bricht in sich zusammen, wenn die Statistiken über Besucherherkunft, Besucherbewegung auf der Webseite und Klickstrecken mit Datenmüll durch ungewollte Aufrufe unbrauchbar werden. Es ist zudem kein Verlass mehr auf die Page Impressions, da man nicht sicher sagen kann, ob eine Seite tatsächlich aufgerufen und gelesen wurde oder ob die Page Impression ein Produkt von „Chrome Instant“ ist.

Zuletzt ist es wieder ein Schritt Richtung Kontrollverlust des Anwenders über sein Arbeitsgerät. Immerhin muss „Chrome Instant“ (noch) vom Anwender aktiviert werden. Aktuell hat Google Chrome eine Verbreitung von bis zu 20% (laut w3schools.com), doch der Browser konnte in den vergangenen Monaten in großen Schritten zu Konkurrenten wie Firefox und Internet Explorer aufschließen. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis man sich Methoden überlegen muss, wie man mit dem wohl gut gemeinten, aber schwer kontrollierbaren Feature umgehen wird.